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Opiatabhängigkeit- endogene Vorgänge


(1) Reizweiterleitung im menschlichen Nervensystem

Bei allen Lebewesen läuft die Reizweiterleitung nach einem Grundschema, welches im Folgenden erläutert wird.

Ein Umwelteinfluss oder eine endogene Zustandsänderung (Reiz) wird durch einen Rezeptor aufgenommen. Somit kommt es zu einer Transduktion des Reizes in eine Erregung. Wenn der Ort, an welchem der Reiz aufgenommen wird und der Ort, wo die Reaktion stattfindet, nicht identisch sind, erfolgt eine Erregungsleitung, welche eine Transduktion der Erregung in eine Reaktion in den Effektoren zur Folge hat. Diese Erregungsleitung wird durchgeführt, indem die Nervenzellen Informationen – welche dem Reiz entnommen wurden – in Form von Änderungen ihres Membranpotentials codieren. Folglich bildet sich eine Differenz der elektrischen Potentiale, was eine Spannung zur Folge hat.

Soll eine Information von einer Nervenzelle zu einer nachgeschalteten Zelle gelangen, muss ein Übertragungssystem, dass den synaptischen Spalt zwischen prä- und postsynaptischer Membran überwindet, angewendet werden.

Das vom Reiz ausgehende Aktionspotential wird in ein chemisches Signal (Träger: Transmitter – wie beispielsweise Dopamin – in Vesikeln im Endknöpfchen gespeichert) umgewandelt, welches den Spalt beziehungsweise die Potentialdifferenz überwinden kann. Erreicht dieses die Membran der Empfängerzelle, so wird es wieder in ein elektrisches Signal umgewandelt. Die Funktionsweise der chemischen Synapse läuft unabhängig vom Transmitter nach dem gleichen Prinzip ab.

Wenn ein Aktionspotential ein synaptisches Endknöpfchen erreicht, öffnen sich durch eine Depolarisation dort spannungsgesteuerte Calciumkanäle, so dass Ca2+-Ionen in das Endknöpfchen diffundieren können.

Daraufhin bilden sich calciumbindende Proteine, welche ein Verschmelzen von synaptischen Vesikeln mit der präsynaptischen Membran bewirken. Es kommt zu einer Exocytose, indem sich dich die Vesikel zum synaptischen Spalt hin öffnen. Folglich diffundieren die freigesetzten Moleküle des Transmitters durch den synaptischen Spalt zur postsynaptischen Membran, welche mit chemisch gesteuerten Ionenkanälen besetzt ist. Des Weiteren befinden sich an bestimmten Abschnitten Rezeptoren, welche in der Lage sind, spezifische Transmitter (nach dem Schlüssel-Schloß-Prinzip) an sich zu binden und somit die Ionenkanäle zu öffnen. Als Folge dessen, strömen Ionen aus dem synaptischen Spalt in die Empfängerzelle bis sich der Kanal nach einer kurzen Zeit wieder schließt. Erst nach einer Phase der Erholung kann der Kanal durch ein erneutes Anlagern von Transmittern wieder geöffnet werden.

(2) Vorgänge an einer Schmerzsynapse

An einer Schmerzsynapse konkurrieren Opiatrezeptoren und Rezeptoren für Neurotransmitter (beispielsweise Dopamin und Noradrenalin) miteinander. Verbindet sich einer dieser Neurotransmitter mit dem entsprechenden Rezeptor, wird das Enzym AMP aktiviert, welches die Bildung von cAMP aus ATP katalysiert. Die Schmerzweiterleitung erfolgt, indem das cAMP Proteinkinosen in Gang setzt, damit sich Ionenkanäle für eine Weiterleitung der Signale öffnen. Binden sich in Stresssituation ausgeschüttete Endorphine aber an die Opiatrezeptoren, so wird das Enzym AMP gehemmt und cAMP kann nicht mehr gebildet werden. Das Schmerzempfinden wird heruntergesetzt und eine euphorisierende Wirkung tritt ein.

(3) Vorgänge im Falle einer Opiatabhängigkeit

Führt man dem Körper Opiate zu, docken diese an die für Endorphine vorgesehenen Opiatrezeptoren an, verdrängen diese endogenen Endorphine und ahmen diese Wirkung nach, was zu einer Hemmung von AMP führt, wodurch der cAMP Spiegel sinkt. Erreicht er einen Minimalwert, so produziert die Zelle weitere Transmitte-rezeptoren.

Bereits nach der ersten Einnahme von Opiaten – zum Beispiel in Form von Morphium – kommt es im Körper zu einer Veränderung des Enzyms Homöostase.

Das Gehirn löst – als eine Art Anpassungsreaktion – die vermehrte Synthese von AMP aus, um das Gleichgewicht in der Zelle wieder herzustellen. Zeitgleich nimmt die Zahl der Rezeptoren an der Membran ab und die Fähigkeit bestimmter Enzyme Opiatmoleküle zu spalten steigt. Dieser Mechanismus bewirkt eine Gewöhnung, so dass ein Süchtiger dazu gezwungen wird, seinem Körper kontinuierlich eine höhere Dosis der Substanz zuzuführen, um die gewünschte schmerzstillende und euphorisierende Wirkung zu erzielen. Allmählich stellt sich die körpereigene Endorphinsynthese ein, so dass kein AMP mehr gehemmt werden kann, wenn die Drogenzufuhr unterbrochen wird. Das zuvor gehemmte AMP wird also aktiv und katalysiert zusammen mit den – im Zuge der Gewöhnung – neugebildeten Enzymen eine enorme Konzentration an cAMP, welche als Entzugserscheinung wahrgenommen wird.

(4) Wege aus der Sucht

Zwecks Überwindung der Sucht darf dem Körper keine noch so kleine Menge der Substanz mehr zugeführt werden, da sich das Gleichgewicht in den Nervenzellen wieder einstellen und die Endorphinsynthese wieder beginnen muss. Zusätzlich zum kalten Entzug ist auch ein Umfeldwechsel zu empfehlen, da durch Konditionierungsprozesse situationenspezifische Verhaltensweisen erlernt wurden, die zu einem Rückfall führen könnten.

Bei minderschweren Fällen einer Sucht oder im Zuge einer Schmerztherapie besteht auch die Möglichkeit durch kontinuierliche Verringerung der Medikation einen sanfteren Entzug durchzuführen.

Unabhängig vom Entzug, zeigt die süchtige Person noch für eine lange Zeit nach dem Entzug eine erhöhte Sensibilität für bestimmte Reize, da im Zuge der Gewöhnung mehr Transmitterrezeptoren als im Normalfall gebildet wurden.


11.3.07 18:07


Experiment zu Piagets Stufentheorie


Die Kinder, mit denen Experimente durchgeführt wurden, waren zwischen vier und sechs Jahren alt. Laut Piaget befinden sie sich in der Übergangsphase von der präoperatorischen Stufe bis hin zur konkret-operatorischen Stufe.

Also sollten sie bereits zur Repräsentation fähig sein, das heißt, dass sie über Dinge nachdenken können, die nicht in unmittelbarer Umgebung vorhanden sind und fähig sein, Symbole zu Benutzen und zu Manipulieren. Einige werden noch egozentrische Züge aufweisen.

Kinder in der konkret-operatorischen Stufe haben das Vermögen reversible Operationen durchzuführen und die Fähigkeit zur Dezenrierung.

Langsam sollte sich das logische Denken ausprägen, bei dem sich der Gebrauch des Identitätsprinzips, des Äquivalenzprinzips und des Transitivitätsprinzips beobachten lässt.

Außerdem wird sich die Fähigkeit zur Multiplikation von Klassen und Relationen ausbilden.

Im Umgang mit den Kindern zeigte sich schnell, wie selbstverständlich Repräsentationen an den Tag gelegt werden.

Bsp:

Die Kindergärtnerin suchte nach einem Ordner in dem sich Mandalas befinden, der immer an einem bestimmten Ort aufbewahrt wird, dort aber nicht auffindbar ist. Daraufhin überreichte ein Mädchen den Ordner mit dem Hinweis, sie habe ihn vor ein paar Tagen in ihrem Fach versteckt, damit niemand ihre Lieblingsmotive klauen könnte.

Auch Symbole wurden spielerisch verwendet. (alte Bonbonpapiere wurden zu Geldscheinen umfunktioniert)

Auch die Tatsache, dass Kinder in der präoperatorischen Phase mit egozentrischen Zügen nicht begreifen können, dass das gleiche Objekt von dritten anders gesehen wird als es selbst es wahrnimmt, diese Fähigkeit sich aber in der späteren Stufe ausprägt, zeigt folgendes Experiment mit einem vier und einem sechsjährigen Jungen:

1)

Die Kinder wurden sich gegenüber an einen Tisch gesetzt, zwischen ihnen eine Puppe die dem einen ihr Gesicht, dem anderen ihren Rücken zukehrt. Das ältere sollte als erstes beschreiben was es sieht, also erläuterte es die von ihm wahrgenommene Rückenansicht. Allerdings wurde es von dem jüngeren unterbrochen, das erklärte, dass die Puppe falsch beschrieben wurde, da dort ja gar kein Rücken sei, sondern ein Gesicht. Daraufhin drehte das ältere Kind die Puppe um, sodass dem anderen der Rücken sichtbar wurde.

Allerdings wurde zu diesem Zeitpunkt das Spiel uninteressant und die Kinder beschäftigten sich anders weiter.

Die Spiele zum Thema der Erhaltung wurden von allen Kindern mit Leichtigkeit gelöst, obwohl manche aufgrund ihres Alters die konkret-operatorische Stufe noch nicht erreicht haben sollten und über die nötigen logischen Vorgehensweisen eigentlich nicht verfügen können. Vielleicht haben die älteren Kinder die Antworten der jüngeren beeinflusst, so dass unerwartete Antworten gegeben wurden. Es wäre im Nachhinein betrachtet, sicherlich besser gewesen die Kinder ihrem Alter entsprechend zu trennen und die Versuchen einzeln durchzuführen um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

2)

Den Kindern wurden zwei gleiche, zu gleichen Teilen mit Wasser gefüllte Gläser gezeigt und gefragt ob sich in beiden die gleiche Menge an Wasser befände. Alle bejahten dies. Nun wurde der Inhalt des einen in ein großes, schmales Glas geschüttet und der Inhalt des anderen in ein kleines, breites. Dieselbe Frage wurde gestellt und wiederum wurde diese Frage von allen im Chor bejaht. Auf die Frage, warum dies so sei, antwortete ein Mädchen, sie habe gesehen, dass der Tisch noch völlig trocken sei. (ich also nichts verschüttet hätte)

Danach wurden 2 Parallele Reihen von je 5 Bonbons auf einen Tisch gelegt. Die Kinder zählten diese. Dann wurde der Abstand der Bonbon der oberen Reihe vergrößert, verbunden mit der Frage, in welcher Reihe nun mehr Bonbons seien. Die Kinder antworteten schnell und richtig und bewiesen ihre Behauptung indem sie erklärten, ich habe gar keins weggenommen. Auch bei der willkürlichen Anordnung der Bonbons der ersten Reihe kam sinngemäß dieselbe Antwort.

Mit der Multiplikation von Klassen und Relationen wiesen alle Kinder noch Unsicherheiten auf und verloren recht schnell die Lust am Experiment, weil es sie wahrscheinlich noch überforderte. Zu erwarten wäre, dass die älteren Kinder sowohl verstehen, dass bestimmte Kategorien Bestandteile anderer sind und das Dinge zu mehreren Kategorien gezählt werden können. Wobei bei letzterem deutlich weniger Probleme gezeigt wurden.

3)

Mit Hilfe eines Memoriespiels sollten die Kinder die dargestellten Objekte die sowohl Tiere als auch Pflanzen zeigten, unterschiedlichen Kategorien zuordnen. Die Kategorisierung Pflanze/Tier verlief problemlos.

Als sie die Pflanzen in die Kategorien Baum/Blume einsortieren sollten, taten sie das auch, zeigten sich dennoch irritiert. Genauso verlief es bei der Unterteilung Pflanzenfresser/Fleischfresser.

Ein Mädchen schlug ihre eigene Kategorisierung vor: groß/süß. Dabei erkannte sie am Beispiel des Pferdes, dass dieses sowohl groß als auch süß sei. Also legte sie die eine Memoriekarte auf den „groß“ Stapel und die andere auf den „süß“ Stapel.

Um zu beweisen , dass die maximal sechsjährigen Kinder noch nicht in der formal-operatorischen Stufe sind, also noch nicht fähig sind Probleme zu abstrahieren, also wurden sie in einem Experiment vor ein hypothetisches Problem gestellt, in dem anderen gefordert sich einer Strategie zu bedienen die auf dem Erkennen der hypothetischen Gesammtheit basiert ( formale Operation). Erwartungsgemäß zeigten alle Kinder keinerlei abstrahierende Ansätze und lösten die Probleme entweder gar nicht oder unsystematisch.

4)

Ein Junge der erzählte er möge besonders gern Kaninchen, wurde gefragt ob mein Kaninchen das Sprechen könne vom Mond käme, da nur auf dem Mond sprechende Kaninchen zu finden seien.

Er antwortete nicht auf meine Frage, erzählte mir aber vom Mann im Mond und Benjamin Blümchen.

Da ihm wahrscheinlich das Kategorisierspiel besonderen Spaß bereitete erklärte er mir das beides in die Gruppe der großen und grauen Tiere gehöre.

5)

Die noch kategorisierten Tiere sollten zum nächsten Experiment helfen. Die Kinder sollten mit Entscheidungsfragen erraten, welches von den abgebildeten Tieren ich für sie ausgesucht habe.

Anstatt die Kategorien durchzugehen um das Gebiet einzugrenzen fragten sie nacheinander ob sie dieses oder jenes Tier seien.

Die Experimente verifizieren die Stufentheorie Piagets und zeigen trotzdem wie unterschiedlich ausgeprägt Merkmale in einer bestimmten Stufe zu beobachten sind.

Allerdings zeigten die Experimente, dass Theorie und Praxis weit auseinander liegen.

So schön und strukturiert die Experimente auf dem Papier sind, so Chaotisch sind sie in der Kindergartengruppe. Da Kinder ihren eigenen Kopf haben und man sie nur schwerlich zum Spielen „zwingen“ kann, wich ich sehr bald von meinem zuvor durchdachten Konzept ab und improvisierte die Experimente während des Umgangs mit ihnen. Dieser zeigt im Endeffekt wesentlich mehr über die Welt der Kinder mit ihren Eigenschaften als ein Experiment es je zu zeigen vermag.

11.3.07 18:10





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