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Experiment zu Piagets Stufentheorie


Die Kinder, mit denen Experimente durchgeführt wurden, waren zwischen vier und sechs Jahren alt. Laut Piaget befinden sie sich in der Übergangsphase von der präoperatorischen Stufe bis hin zur konkret-operatorischen Stufe.

Also sollten sie bereits zur Repräsentation fähig sein, das heißt, dass sie über Dinge nachdenken können, die nicht in unmittelbarer Umgebung vorhanden sind und fähig sein, Symbole zu Benutzen und zu Manipulieren. Einige werden noch egozentrische Züge aufweisen.

Kinder in der konkret-operatorischen Stufe haben das Vermögen reversible Operationen durchzuführen und die Fähigkeit zur Dezenrierung.

Langsam sollte sich das logische Denken ausprägen, bei dem sich der Gebrauch des Identitätsprinzips, des Äquivalenzprinzips und des Transitivitätsprinzips beobachten lässt.

Außerdem wird sich die Fähigkeit zur Multiplikation von Klassen und Relationen ausbilden.

Im Umgang mit den Kindern zeigte sich schnell, wie selbstverständlich Repräsentationen an den Tag gelegt werden.

Bsp:

Die Kindergärtnerin suchte nach einem Ordner in dem sich Mandalas befinden, der immer an einem bestimmten Ort aufbewahrt wird, dort aber nicht auffindbar ist. Daraufhin überreichte ein Mädchen den Ordner mit dem Hinweis, sie habe ihn vor ein paar Tagen in ihrem Fach versteckt, damit niemand ihre Lieblingsmotive klauen könnte.

Auch Symbole wurden spielerisch verwendet. (alte Bonbonpapiere wurden zu Geldscheinen umfunktioniert)

Auch die Tatsache, dass Kinder in der präoperatorischen Phase mit egozentrischen Zügen nicht begreifen können, dass das gleiche Objekt von dritten anders gesehen wird als es selbst es wahrnimmt, diese Fähigkeit sich aber in der späteren Stufe ausprägt, zeigt folgendes Experiment mit einem vier und einem sechsjährigen Jungen:

1)

Die Kinder wurden sich gegenüber an einen Tisch gesetzt, zwischen ihnen eine Puppe die dem einen ihr Gesicht, dem anderen ihren Rücken zukehrt. Das ältere sollte als erstes beschreiben was es sieht, also erläuterte es die von ihm wahrgenommene Rückenansicht. Allerdings wurde es von dem jüngeren unterbrochen, das erklärte, dass die Puppe falsch beschrieben wurde, da dort ja gar kein Rücken sei, sondern ein Gesicht. Daraufhin drehte das ältere Kind die Puppe um, sodass dem anderen der Rücken sichtbar wurde.

Allerdings wurde zu diesem Zeitpunkt das Spiel uninteressant und die Kinder beschäftigten sich anders weiter.

Die Spiele zum Thema der Erhaltung wurden von allen Kindern mit Leichtigkeit gelöst, obwohl manche aufgrund ihres Alters die konkret-operatorische Stufe noch nicht erreicht haben sollten und über die nötigen logischen Vorgehensweisen eigentlich nicht verfügen können. Vielleicht haben die älteren Kinder die Antworten der jüngeren beeinflusst, so dass unerwartete Antworten gegeben wurden. Es wäre im Nachhinein betrachtet, sicherlich besser gewesen die Kinder ihrem Alter entsprechend zu trennen und die Versuchen einzeln durchzuführen um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

2)

Den Kindern wurden zwei gleiche, zu gleichen Teilen mit Wasser gefüllte Gläser gezeigt und gefragt ob sich in beiden die gleiche Menge an Wasser befände. Alle bejahten dies. Nun wurde der Inhalt des einen in ein großes, schmales Glas geschüttet und der Inhalt des anderen in ein kleines, breites. Dieselbe Frage wurde gestellt und wiederum wurde diese Frage von allen im Chor bejaht. Auf die Frage, warum dies so sei, antwortete ein Mädchen, sie habe gesehen, dass der Tisch noch völlig trocken sei. (ich also nichts verschüttet hätte)

Danach wurden 2 Parallele Reihen von je 5 Bonbons auf einen Tisch gelegt. Die Kinder zählten diese. Dann wurde der Abstand der Bonbon der oberen Reihe vergrößert, verbunden mit der Frage, in welcher Reihe nun mehr Bonbons seien. Die Kinder antworteten schnell und richtig und bewiesen ihre Behauptung indem sie erklärten, ich habe gar keins weggenommen. Auch bei der willkürlichen Anordnung der Bonbons der ersten Reihe kam sinngemäß dieselbe Antwort.

Mit der Multiplikation von Klassen und Relationen wiesen alle Kinder noch Unsicherheiten auf und verloren recht schnell die Lust am Experiment, weil es sie wahrscheinlich noch überforderte. Zu erwarten wäre, dass die älteren Kinder sowohl verstehen, dass bestimmte Kategorien Bestandteile anderer sind und das Dinge zu mehreren Kategorien gezählt werden können. Wobei bei letzterem deutlich weniger Probleme gezeigt wurden.

3)

Mit Hilfe eines Memoriespiels sollten die Kinder die dargestellten Objekte die sowohl Tiere als auch Pflanzen zeigten, unterschiedlichen Kategorien zuordnen. Die Kategorisierung Pflanze/Tier verlief problemlos.

Als sie die Pflanzen in die Kategorien Baum/Blume einsortieren sollten, taten sie das auch, zeigten sich dennoch irritiert. Genauso verlief es bei der Unterteilung Pflanzenfresser/Fleischfresser.

Ein Mädchen schlug ihre eigene Kategorisierung vor: groß/süß. Dabei erkannte sie am Beispiel des Pferdes, dass dieses sowohl groß als auch süß sei. Also legte sie die eine Memoriekarte auf den „groß“ Stapel und die andere auf den „süß“ Stapel.

Um zu beweisen , dass die maximal sechsjährigen Kinder noch nicht in der formal-operatorischen Stufe sind, also noch nicht fähig sind Probleme zu abstrahieren, also wurden sie in einem Experiment vor ein hypothetisches Problem gestellt, in dem anderen gefordert sich einer Strategie zu bedienen die auf dem Erkennen der hypothetischen Gesammtheit basiert ( formale Operation). Erwartungsgemäß zeigten alle Kinder keinerlei abstrahierende Ansätze und lösten die Probleme entweder gar nicht oder unsystematisch.

4)

Ein Junge der erzählte er möge besonders gern Kaninchen, wurde gefragt ob mein Kaninchen das Sprechen könne vom Mond käme, da nur auf dem Mond sprechende Kaninchen zu finden seien.

Er antwortete nicht auf meine Frage, erzählte mir aber vom Mann im Mond und Benjamin Blümchen.

Da ihm wahrscheinlich das Kategorisierspiel besonderen Spaß bereitete erklärte er mir das beides in die Gruppe der großen und grauen Tiere gehöre.

5)

Die noch kategorisierten Tiere sollten zum nächsten Experiment helfen. Die Kinder sollten mit Entscheidungsfragen erraten, welches von den abgebildeten Tieren ich für sie ausgesucht habe.

Anstatt die Kategorien durchzugehen um das Gebiet einzugrenzen fragten sie nacheinander ob sie dieses oder jenes Tier seien.

Die Experimente verifizieren die Stufentheorie Piagets und zeigen trotzdem wie unterschiedlich ausgeprägt Merkmale in einer bestimmten Stufe zu beobachten sind.

Allerdings zeigten die Experimente, dass Theorie und Praxis weit auseinander liegen.

So schön und strukturiert die Experimente auf dem Papier sind, so Chaotisch sind sie in der Kindergartengruppe. Da Kinder ihren eigenen Kopf haben und man sie nur schwerlich zum Spielen „zwingen“ kann, wich ich sehr bald von meinem zuvor durchdachten Konzept ab und improvisierte die Experimente während des Umgangs mit ihnen. Dieser zeigt im Endeffekt wesentlich mehr über die Welt der Kinder mit ihren Eigenschaften als ein Experiment es je zu zeigen vermag.

11.3.07 18:10





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